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EQUAL: Gründungsberatung für MigrantInnen
 
Durch den Bürokratie-Dschungel

Als Koch kam Esad Sokoljakovic 1990 aus Bosnien nach Dortmund. Heute ist er stolzer Besitzer des Restaurants "Stadewäldchen". Obwohl er jetzt seine Angestellten hat, steht er immer noch gerne selbst am Herd.
Für Migranten ist es besonders schwierig, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen. Mit den kulturellen Unterschieden kommen viele nicht zurecht. Helfen soll dabei eine gezielte Existenzgründungsberatung

Esad Sokoljakovic ist voller Tatendrang. Was er sich vorgenommen hat, setzt er auch in die Tat um. Der gebürtige Bosnier hat vor einem Jahr das Restaurant "Stadewäldchen" übernommen. Keine leichte Aufgabe, besonders für ihn, der nicht in Deutschland aufgewachsen ist und sich in der deutschen Kultur nicht so gut auskannte. Bei dem Aufbau des Restaurants hat ihm eine Existenzgründungsberatung für Migranten durch das Forschungsinstitut IUK geholfen.

Das IUK ist Teilnehmer des europäischen Equal-Netzwerks "Kompetenz und Vielfalt". Das Multikulturelle Forum Lünen koordiniert das Projekt. "Die Gründungsberatung soll Migranten durch den Dschungel der deutschen Behördenkultur lotsen", erklärt Christoph Hohage, Projektkoordinator des Multikulturellen Forums Lünen.

Boris Boldin, Gründungsberater beim IUK, hat Esad Sokoljakovic auf seinem Weg durch die Bürokratien begleitet. "Von seiner Idee, das ,Stadewäldchen´ zu übernehmen, war ich sofort begeistert", sagt Boldin. Er kannte das Restaurant und wusste: Daraus kann man was machen.

Sokoljakovic ist als 24-Jähriger 1990 aus Bosnien nach Dortmund gekommen. Dank seiner Ausbildung zum Koch hat er schnell Arbeit gefunden. Obwohl er sich hier eigentlich wohl fühlte, stand er 2005 vor der Entscheidung, wieder in seine Heimat zurückzukehren. Er hatte viel gearbeitet, fühlte sich ausgelaugt und brauchte ein Pause. Doch als sich die Chance bot, das "Stadewäldchen" zu übernehmen, entschied er sich, für immer in Deutschland zu bleiben.

Boris Boldin hat den Jungunternehmer in allen finanzi-ellen Fragen beraten und ihn auch zu den Gesprächen bei der Bank begleitet. Besonders schwer ist es dem Restaurantbesitzer gefallen, die nötigen Kontakte zu Partnern wie beispielsweise einer Brauerei herzustellen. "Ohne Hilfe hätte ich das nicht geschafft."

Doch ebenso wichtig wie eine explizite Beratung für gründungswillige Migranten ist auch die Schulung der Berater selbst. "Nicht jeder Berater hat das Geschick, mit den kulturellen Unterschieden umzugehen", erklärt Christoph Hohage. Auch Boris Boldin musste das erst lernen. Aus seiner langjährigen Beratertätigkeit kennt er mittlerweile die Unterschiede: "Der deutsche Preuße ist geradlinig organisiert. Er plant alles Schritt für Schritt. Ein Migrant plant gerne alles auf einmal und muss daher auch multiaktiv beraten werden." Seinem Schützling steht Boldin immer noch in finanziellen Fragen zur Seite. "Ich treffe kaum eine Entscheidung, bei der ich ihn nicht vorher um Rat frage", so Sokoljakovic.

"Das Beispiel von Esad Sokoljakovic ist eine Erfolgsgeschichte", sagt Christoph Hohage. "Denn schließlich hat er hier in Dortmund auch Arbeitsplätze geschaffen." Vier fest angestellte Mitarbeiter und fünf Aushilfen arbeiten im "Stadewäldchen". Aber Esad Sokoljakovic geht davon aus, dass es im Sommer noch mehr werden. Nach einem Jahr als Restaurantbesitzer ist der 41-Jährige zufrieden. "Ich mache mittlerweile vier Mal so viel Umsatz wie der Vorbesitzer", sagt er nicht ohne Stolz."Ohne Hilfe hätte ich das nicht geschafft"

 

WAZ, 16.03.2007   Von Kerstin Lottritz