Projektbeschreibung         .

Einführung und Erprobung von Diversity Management in der Existenzgründungsberatung von Migrant/innen im Kreis Unna

Am 1. Juli 2005 hat bei IUK ein neues Projekt begonnen: Es handelt sich um das Teilprojekt „Einführung und Erprobung von Diversity Management in der Existenzgründungsberatung von Migrant/innen im Kreis Unna“, das zur EQUAL-Entwicklungspartnerschaft „Kompetenz und Vielfalt“ gehört. Die Gesamtkoordination liegt beim Multikulturellen Forum Lünen e.V. Das von IUK begonnene Teilprojekt ist eines von 10, die alle gemeinsam die betriebliche Integration von Migrant/innen anstreben.  

             Strategischer Partner: Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Unna 
www.wfg-kreis-unna.de
 

 

 

Warum Diversity-sensible Gründungsberatung?

 Beratungsangebote der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Unna und freiberuflicher Gründungsberater/innen erreichen zu wenige gründungsbereite Migrant/innen. Diese Zielgruppe braucht eine geeignete Form der mittelfristigen sehr intensiven Betreuung und Unterstützung, die zum einen deutlich mehr Sprachkompetenz in den Muttersprachen Gründungsinteressierter vorhält. Es ist für einen deutschen Gründungsberater schon schwierig, „Körperschaftssteuer“ oder „Rentabilitätserwartung“ zu erklären, wenn man die Sprache des Klienten oder der Klientin nicht spricht und sich möglicherweise auf mitgebrachte Kinder oder Jugendliche für die Übersetzung stützen muss. Für die Gründungsinteressierten mit Migrationshintergrund ist es aber ungemein wichtig zu verstehen, was hinter derartigen Begriffen steht, um den Anforderungen potenzieller Kreditgeber entsprechen zu können.

Zum anderen sind die Muster des Gründungsverhaltens kulturell geprägt: So können z.B. Gründungswillige aus dem Nahen und mittleren Osten, Nordafrika und der Türkei mit einer deutlich größeren Unterstützung ihrer Familien rechnen und bringen auch deutlich mehr Eigenkapital mit als dies bei deutschen Gründungswilligen der Fall ist.

Ziele des Teilprojekts

Das Teilprojekt zielt auf die Einführung einer Diversity-sensiblen Existenzgründungsberatung von Migrant/innen im Kreis Unna. Dafür ist eine der Zielgruppe angemessene Ansprache und Beratungskonzeption (Stichwort: Diversity-sensible Zielgruppenarbeit) zu entwickeln.

Voraus geht die Sensibilisierung der Berater/innen für die Thematik. Auf dieser Grundlage sollen Materialien bereit gestellt werden, die in verständlicher Form auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten das erforderliche Gründungs-Know-how vermitteln. Die Materialien sollen im Anschluss an die Erprobung von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Unna und von anderen Einrichtungen der Gründungsberatung für Migrant/innen genutzt werden.

Wen spricht das Teilprojekt an?

1.      Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Migrant/innen aus dem Kreis Unna, die eine Existenzgründung planen oder die bereits gegründet haben;

2.      in der Beratung von Migrant/innen tätige Gründungsberater/innen im Kreis Unna

Was wird angeboten?

Beispielhafte Module im Rahmen eines Jahresprogramms sind:

1. Diversity-Sensibilisierung und Orientierung für Gründungsberater/innen im Kreis Unna. Themen sind z.B.

-          Verständnis fremdkulturellen Geschäftsverhaltens

-          Zeitverständnis

-          Rollenverständnis

2. Gründungstraining: kompakte 5-Tages-Seminare mit je 8-10 Teilnehmer/innen 2x jährlich für Gründungsinteressierte mit Themen wie

-          Die Gründerpersönlichkeit – im Herkunftsland und im Zielland

-          Vielfalt im Umfeld: Marktanalyse unter multikulturellen Bedingungen

-          Das ethnisch-kulturelle Umfeld des kleinen Unternehmens

-          Mitarbeiterführung im kulturellen Überschneidungsfeld

-          Marketing (und Online-Marketing) in eigen- und in fremdkulturellen Segmenten

-          Gründungskredite, Verhandeln und Bankgespräch im fremdkulturellen Kontext

-          Persönliche Absicherung

-          Informationen über weitere Beratungsförderung von Bund, Land, KfW usw.

3. Gründungscoaching für 15 Migrant/innen zu je ca. 4 Std. in 2-3 Sitzungen

-          Erfassung der vorhandenen Qualifikationen, Profile, Erfahrungen aus dem fremdkulturellen Hintergrund

-          Prüfung von Persönlichkeit und Idee unter Berücksichtigung des kulturellen Überschneidungsfeldes

-          Diversity-sensibles Coaching beim Erstellen des Businessplans

4. Durchführung einer Vortragsreihe mit ca. 5 Terminen / Themen (alle ca. 8 –10 Wochen) unter Einbeziehung externer Referent/innen mit Migrationshintergrund zu Themen wie z.B.:

-          Ebbe in den öffentlichen Kassen – neue Chancen für die Vermarktung sozialer, kultureller und Gesundheitsdienstleistungen?

-          Ethnische Ökonomie für den multikulturellen Markt?

-          Aufbau und Funktion eines Businessplans

-          Wie bewerte ich eine Unternehmensidee?

-          Was Banken von Gründern wissen und wie sie über Gründer denken

-          Die Ich-AG: Chancen und Risiken

-          Venture Capital und Business Angels – erst ab 500.000 € interessant?

5. Durchführung einer Gründersprechstunde vor Ort: Alle Themen incl. Rechts- und Steuerberatung können 1 x / Monat mit kompetenten Diversity-sensiblen Expert/innen diskutiert werden. Dabei sind ggf. Sprachmittler einzusetzen.

6. Erfolgreiche Gründer/innen aus der „ethnischen Ökonomie“ stellen sich vor: Türkische, russische und polnische Geschäftsgründungen im Kreis Unna. 3 Infoveranstaltungen zu je 4-6 Std., u.a. in Zusammenarbeit mit einer türkischen Unternehmensberatung

Durchgeführt werden die Gründungsberatungen von Dipl. Kfm. Stb. Boris Boldin (Sprachkompetenz: Serbokroatisch) (Link zum Foto unter „Team“ auf der Homepage) und Dr. Hans-Jürgen Weißbach (link dto.). Unterstützt werden sie von Elena Vorontsowa-Schnell (Link dto.), wenn russische Sprachkompetenz gefordert ist und von türkischsprachigen Kolleg/innen, wenn es um Gründer/innen mit türkischem Hintergrund geht.

Die interkulturellen Trainings für Gründungsberater/innen werden von Dr. Barbara Weißbach angeboten.

Wie lange wird es das Angebot geben? Das Projekt läuft vom 1.7.2005 – 31.12.2007

Ansprechpartner/in:

Dr. Barbara Weißbach, Tel. 0231 / 75 66 83 oder 0173 / 26 376 23

Dipl.Kfm. Stb. Boris Boldin, Tel. 02309 / 91100 20 oder 0171 / 50 838 68