Projektbeschreibung         .

WIPRÜLA

Wissensmanagement im Werkstoff-Prüflabor

Derzeit entwickelt sich ein umfangreicher Markt für Werkstoffprüfleistungen. Kleine Werkstoffprüflabors haben sich in den letzten Jahren in größerer Zahl von Großforschungseinrichtungen oder Industrielabors abgespalten. Dies hängt zusammen mit allgemein erhöhten Anforderungen an Qualität, Umweltschutz und Produkthaftung, mit der "Chemisierung" (z.B. Oberflächenbeschichtung) traditioneller Werkstoffe, aber auch mit dem allgemeinen Outsourcing-Trend von komplexen Dienstleistungen. Für die nächsten Jahre sind weiterhin positive Arbeitsmarkteffekte zu erwarten.

Gleichzeitig haben sich die Tätigkeiten in der Werkstoffprüfung stark verändert: zum einen durch die teilweise Digitalisierung der Prüftechnik, zum anderen durch eine stärker dem Markt angepaßte Arbeitsweise, bei der nicht nur kontinuierlich Proben aus der Großserie eines Herstellers entnommen und begutachtet werden, sondern verstärkt Expertisen und Entwicklungsvorhaben für wechselnde Auftraggeber bearbeitet werden. Dessen ungeachtet gibt es derzeit noch keine spezielle Ausbildung für das Werkstoffprüflabor, nur eine solche zum Industriekeramiker, die aber gemessen an den Labortätigkeiten viel zu produktionsorientiert ist. Auch ChemielaborantInnen sind im Werkstofflabor nicht ohne weiteres einsetzbar.

Das IUK Institut und das Werkstoffzentrum Rheinbach kooperieren seit November 1998 in einem QUATRO-Projekt zum Thema "Wissensmanagement im Prüflabor", das vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport und vom Europäischen Sozialfonds gefördert wird. In diesem Projekt sollen Anwenderbetriebe aus der traditionellen Keramikregion um Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) kooperieren. Ein weiterer Kooperationspartner ist die Fachhochschule Frankfurt am Main. Schon 1992 -95 hatte IUK eine Studie zur Emissionsreduzierung in der Oberflächenbeschichtung und 1993-94 je eine Analyse zur Zukunft des Chemieforschungsstandorts Deutschland sowie zur Lage der F&E im Chemiedreieck Sachsen-Anhalts durchgeführt. Ein Befund dieser Studien war u.a., daß die Entwicklung neuer Werkstoffe und der Werkstoffprüftechnik nach Anfangserfolgen und einer gewissen Euphorie in Deutschland recht zäh verlief und einer gezielteren Förderung bedarf.

Betrachtet werden sollen im laufenden Kurzprojekt Arbeitsmethoden, Qualifikationen, Workflow und Softwareanwendungen in den Bereichen Keramik, Metallurgie, Oberflächentechnik, Polymere und Härtereitechnik. Dabei sollen Instrumente zur Optimierung der Worksflows und des Wissensmanagements unter Einschluß der oft recht schwierigen Kommunikationsschnittstelle zum Auftraggeber dokumentiert und weiterentwickelt werden. Spezifiziert werden sollen auch Anforderungen an eine Laborsoftware (Probenverwaltung, Schadensfalldatenbank, Projektsteuerung), die sowohl für Massenprüfungen als auch für kundenspezifische Aufträge tauglich ist. Das Projekt ist auf schnellstmögliche Umsetzung der Ergebnisse angelegt.

Gleichzeitig sollen mittelfristige Qualifizierungs- und Trainingsstrategien für die Keramikregion und für den Betriebstyp des Werkstofflabors aufgezeigt werden (z.B. Verbesserung der Kundenkommunikation, des Projekt- und Zeitmanagements, Möglichkeiten der Umschulung von ChemielaborantInnen usw.).

Am 12. August 1999 fand zu den genannten Themen in Rheinbach ein Workshop statt.

Publikation